Antifaschismus in Wuppertal 1929-1933


Militanz und politische Gewalt

Militantes Auftreten war in diesen Krisenjahren selbstverständlicher Bestandteil der Aktionen der KPD und des Kommunistischen Jugendverband KJVD. So rief das KPD-Reichstagsmitglied Fritz Schulte, in der "Freiheit" zu folgender 'Aktion' auf: "Zieht zu Zehntausenden nach Eintritt der Dunkelheit, also in je­nen Stunden, in denen das 'Christkind' die Bourgeoisie beschert, in die Wohnviertel des satten und feisten Bürgerpacks und laßt eure Hungerschreie vieltausendfach ertönen. Schreit der Bourgeoisie eure Kampflosungen in die Ohren, damit ihnen die Freude am Weihnachtsfest gründlich vergeht." In Wuppertal nutzen Jungkommunisten den 'heiligen Abend' zu Aktionen gegen SPD-Funktionäre, ver­bürgt ist eine Art Überfall auf das Weihnachtsfest des SPD-Politikers Dröner.
Aufrufe dieser Art standen in der kommunistischen Presse nicht allein. Für die poli­tisch-soziale Auseinandersetzung wurde Gegengewalt neben der notwendigen Aufklärungsarbeit offiziell als ein Mittel des alltäglichen politischen Kampfes propa­giert. Auch nachdem sich das ZK deutlich gegen den "Individualterror" ausgesprochen hatte, wurde der Einsatz von Gewalt in der KPD-Presse des Bezirks Niederrhein weiterhin für legitim erklärt. Besonders zahlreich waren dabei Aufrufe an die Anhängerschaft, in den Mietskasernen Zwangsräumungen mit Gewalt zu verhindern oder Streikbrechern eine "proletarische Abreibung zu verpassen"; es wurde aber auch ziemlich unverblümt zum organisierten Straßenkampf gegen Polizei und die Nationalsozialisten aufgerufen. Wie KJVD-Aktivisten berichteten, waren solche recht handfesten Aktionen besonders bei radikalen Teilen der Erwerbslosen sehr populär.
Zur Ablenkung der Polizei, die 1932 einen Großeinsatz gegen eine Revolte in der KPD-Hochburg Heckinghausen in Südosten Wuppertals begonnen hatte, wurden zur selben Zeit Plünderungen im westlichen Elberfeld durchgeführt. In diesem Fall waren die Akteure aber nicht, wie später selbst von der KPD-Presse behauptet, Anarchisten und Trotzkisten, sondern die eigene Parteijugend: "Wir hörten von den Ereignissen in Heckinghausen, da haben wir zur Entlastung aus einer Bäckerei das Brot rausgeholt und an Passanten verteilt." So beteiligten sich KJVD-Mitglieder 1931 auch an den soge­nannten "Hungerunruhen" am Paradeberg. Dort kam es zwei Tage lang zum Bau von Barrikaden und zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. In Elberfeld war der "Rommelspütt" Schauplatz der meisten Auseinandersetzungen und Ausschreitungen: "Hier war immer was los. Wir waren fast jeden Tag bei der Polizei auf der Von der Heydt-Gasse", erzählten Zeitzeugen. Der "Rommelspütt" war gewis­sermaßen das Tor zur Stadt, eine Mischung aus Amüsierkneipen, Bordellen und Lokalen, die als Treffpunkte oder Versammlungsorte der Arbeiterparteien fungierten. Er lag am Fuße des Paradebergs, einer Gegend, in der sehr viele kommunistische Familien wohnten, und grenzte direkt an das sogenannte "Petroliumviertel", an eine weitere Hochburg der KPD an.. Der "Rommelspütt" war ein Zentrum des proletarischen Milieus, hier trafen sich neben Kriminellen, Zuhältern und Prostituierten auch Parteikommunisten, Funktionäre des "Kampfbundes" und des Jugendverbandes, ebenso wie KPD-Dissidenten um den ehemaligen Führer des Rotfrontkämpferbundes Alfred Steinhage, der dort eine Stehbierhalle betrieb. Eine Straße weiter hatte die SPD-Zeitung ihr Quartier und nur einen Steinwurf entfernt la­gen die Verkehrslokale der "Nazis" und der SA auf dem soge­nannten "Teppich" in der Poststraße. Nach übereinstimmenden Aussagen von Zeitzeugen übte das Gebiet um den Rommelspütt vor allem auf Jugendliche eine geradezu magische Anziehungskraft aus, die vielleicht nur mit der Faszination der Rummelplätze in den Metropolenstädten ver­gleichbar war.


"Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft" - der militante Antifaschismus und der latente Bürgerkrieg

Jenseits der Verklärung der 'roten Viertel' und der Arbeiterstadt Wuppertal muß man von der nationalsozialistischen Hochburg Wuppertal spätestens seit der Reichstagswahl von 1930 ausgehen. 58.756 Stimmen und 23 % wählten die NSDAP, knapp 50.000 für die KPD und 35.000 für die SPD. Bei der Reichstagswahl am 31.7.1932 errang die NSDAP in Wuppertal gar mit 110.763 Stimmen 42,6 %. Die Arbeiterparteien SPD und KPD kamen zusammen auf 37,7 %
Das rechte Lager war zahlenmäßig in Wuppertal in der Mehrheit. Umkämpft blieb bis 1933 die Macht auf der Straße.
Trotz der hohen Wahlergebnisse für die NSDAP, gab Viertel, in denen sich ein relativ homogenes Arbeitermilieu formiert hatte. Diese Viertel sollten nach der Strategie der Nationalsozialisten zum umkämpften Terrain werden. "Wer den Marxismus in seiner Macht brechen will, muß ihm die Straße nehmen (...) Hier in der Herrschaft der Straße, liegt die Schwerkraft des Marxismus. Der Marxismus hat die Macht errun­gen durch die Straße. Sein Lebenselement ist die Straße. Nur wer die Straße säubert vom roten Terror, wird eine deutsche Zukunft schaffen, wird der deut­schen Nation das Leben zurückgeben. Wir sind bereit. Wir haben unser Recht auf die Straße angemeldet. Sie ge­hört auch uns, nicht nur den roten Horden."
Auch auf der anderen Seite der 'Barrikade' entwickelte sich der Kampf gegen den Nationalsozialismus zu einem Schwerpunkt der politischen Arbeit. Die KPD bezie­hungsweise ihre Nebenorganisationen waren die ganzen Weimarer Jahre über mehr oder weniger of­fen von Verboten bedroht; Zensur und Kriminalisierung kommunistischer Medien oder Veranstaltungen waren an der Tagesordnung. Demonstrationen wurden verboten oder die Polizei machte bei der Auflösung von Kundgebungen nicht selten von der Schußwaffe Gebrauch.
Dagegen konnte die SA relativ ungestört ihre Waffen bei Aktionen einsetzen. Die Militarisierung der Gesellschaft nahm so immer extremere Formen an: Parteifunktionäre der KPD mußten von ihren Genossen, die mit Revolvern bewaffnet waren, durch 'feindliche Straßenzüge' nach Hause begleitet werden. Wer nicht auf Waffen aus dem Ersten Weltkrieg oder aus den Zeiten des Kapp-Putsches und der Roten Ruhrarmee zurückgreifen konnte, die in großen Mengen in obskuren Verstecken gehortet worden waren, der besorgte sich kleinere Schußwaffen zu günsti­gen Bedingungen im Ausland, z.B. im benachbarten Belgien.
Relativ früh hatte die SA in fast allen Stadtteilen eigene 'Heime' gegründet und aus­gestattet, die als Operationsbasen und Koordinierungsstellen fungierten und von de­nen aus der Straßenterror gegen die Arbeiterviertel organisiert wurde. So ist es nicht verwunderlich, daß die politische Situation in Wuppertal zu Beginn der 1930er Jahre weiter eska­lierte. Die Jahre 1931 und 1932 waren von fast täg­lichen Zusammenstößen mit dem poli­tischen Gegner be­stimmt, bei denen schließlich ne­ben zahllosen Verletzten auch einige Tote zu beklagen waren. Dieser latente Bürgerkrieg zwischen der militanten Basis der KPD und der SA eskalierte immer mehr und führte schließlich dazu, daß der KPD-Leitung die Kontrolle über den Aktivismus ihrer Mitglieder entglitt. Nachdem in der kommunistischen Tageszeitung "Freiheit" gewissermaßen Steckbriefe von SA-Leuten mit Adressenhinweisen erschienen waren, wurden die nun einer breiteren Öffentlichkeit bekannten Nazis prompt zu Hause oder auf dem Weg zur Arbeit ange­griffen und ver­letzt - die "Freiheit" meldete ein paar Tage später dann den Vollzug dieser handgreifli­chen Aktionen.Versuche, die im Kampfbund, im KJVD und in den illegalen RFB-Einheiten weit­verbreitete Tendenz zum individuellen Terror wirksam einzudämmen, waren nicht erfolg­reich. Die Resolution, die sich gegen "die Anwendung von Einzelterror gegen Faschisten (...), die Durchführung sinnloser Einzelaktionen und bewaffneter Einzelüberfälle (...), abenteuerliche Spielereien mit Sprengstoff" wendete, fand keine Resonanz. Wie in Berlin, wo eine KJVD-Gruppe mit Empörung auf die of­fizielle Absage des Zentralkomitees an den individuellen Terror reagierte, so war auch die Stimmung der jungen Militanten in Wuppertal von völligem Unverständnis über die sich an der Parteispitze plötzlich ausbreitende Nachgiebigkeit bestimmt. "Wir haben als revolutio­näre Jugend immer die beste Abwehr der Faschistenüberfälle in der Wiedervergeltung gesehen, schrieb die Berliner KJVD-Gruppe Nordkap an das ZK.“Nicht nur Massenkampf - sondern auch individueller Terror!(...) Wir pfei­fen was darauf, wenn wir von SA-Leuten ermordet werden und am Tage unserer Beisetzung ein kleiner Teil der Proleten einen halbstündigen Proteststreik durchführt, worüber sich die SA amüsiert, daß sie so billig dabei wegkommt. (...) Wir sind uns völlig klar, daß da­durch ungeheuer viel revolutionäre Energie und Tatkraft verlo­ren geht und wir den Charakter als revolutionäre Jugendorganisation verlieren. Auf Grund dieses ZK-Beschlusses wird die ehemals reinste Flamme der Revolution zur qualmen­den Ölfunzel herabgedrückt, und auf das von uns allen so heiß ersehnte Sowjetdeutschland werden wir wohl warten müssen, bis es uns als Geschenk des Himmels beschert wird."
Diese Stimmung war weitverbreitet. Für viele Antifaschisten war der "wehrhafte Kampf" jen­seits von großer Politik und Verbotsdrohung Ende 1931 "zum Kampf gegen die unmit­telbare Bedrohung von Leib und Leben geworden, in dem mit jeder neuen Konfrontation mehr auf dem Spiele stand. Das Problem war die SA, die Lösung ihre Beseitigung - mit den einfachsten, wirksamsten und vertrau­testen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stan­den."
Anstelle des individuellen Terrors und der isolierten Angriffe weniger kommunisti­scher Aktivisten versuchte die Partei, ihre Mitglieder auf den 'organisierten Massenkampf' hin zu orientieren. So formulierte ein Arbeitsplan des illegalen RFB für den Bezirk Niederrhein vom 16.8.1930: "Nicht mehr 'schlagt die Faschisten wo ihr sie trefft' son­dern 'Wenn die Faschisten euch angreifen, dann wehrt euch so, das die Faschisten die Lust verlieren, noch einmal anzugreifen'." Ziel war es, die Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten so zu organisieren, daß möglichst viele Menschen daran beteiligt wurden: "Im Idealfall sollten die von der SA verübten Angriffe auf Arbeiterviertel durch gemeinsame Solidaritätsaktionen aller Bewohner ab­gewehrt werden." Erfolgreich an­gewandt wurde die Strategie des "roten Massenselbstschutzes" in Wuppertal anläßlich der Goebbels-Kundgebung im Juli 1932. Hier gelang es der KPD zusammen mit Teilen der Bevölkerung, den SA-Marsch zum Zoo-Stadion gewaltsam zu verhindern, denn der Autokonvoi der Nazi-Prominenz wurde aus den Häusern und Fenstern heraus mit heißer Kohle und Blumentöpfen empfangen und verjagt.


Steine gegen die Notverordnungen - Politische Gewalt in den `sozialen Kämpfen´

Die Militanz der kommunistischen Arbeiter, der Erwerbslosen und Jugendlichen war nicht allein gegen die Nationalsozialisten gerichtet. Gerade in den Jahren 1931 und vor allem 1932 gab es tagespolitische Ereignisse: Prozesse gegen SA-Männer, Kürzungen der Unterstützungssätze, Streikbewegungen, aber auch Polizeiübergriffe, die Wuppertal zu einem sozialen Pulverfaß machten.
Im Mai 1932 führte ein Prozeß am Landgericht gegen SA-Leute aus Remscheid, die bei einer Auseinandersetzung in Hückeswagen drei kommunistische Arbeiter erschossen hatten, zu erbit­terten Protesten, die sich zu sozialen Unruhen ausweiteten. Der 'Nazi-Terror' ver­band sich in diesen Monaten mit den unsozialen Vorstößen der 'Papenschen Notverordnungen':
Es kam zu Streikaktionen und Straßenkämpfen gegen den 30 % Lohnabbau und gegen die Kürzungen der Wohlfahrtsunterstützung. Wuppertal kam nicht mehr zur Ruhe. In Erwartung eines milden Urteils der verhassten 'Klassenjustiz' mobilisierte die KPD täglich zum Landgericht. Dort fanden Demonstrationen statt, die regelmäßig in militanten Auseinandersetzungen mit der Polizei und der SA endeten. Die KPD im ganzen Industriegebiet schaute in diesen Tagen auf Wuppertal. "Ein bißchen lag die Revolution in der Luft" Euphori­sch kommentierte in diesen Tagen auch die kom­munistischen "Freiheit": "Es brodelt in den Städten des Niederrheins. Kein Ort, in dem die Gespräche der Arbeiter sich nicht um die Vorgänge in Wuppertal drehen. Wuppertal ist die erste, weithin aufflammende antifaschistische Aktion tausender kom­munistischer, so­zialde­mokratischer und christlicher Arbeiter.(...) Es ist die Ruhe vor dem Sturm. (...) Die Arbeiterschaft geht großen Entscheidungen entgegen. Überall ist diese Spannung, die­ses Vibrieren einer gewaltigen Kraft, die vor der Entladung steht, zu spüren." Überall entstanden Kämpfe: An verschiedenen Stellen der Stadt wurden Barrikaden gebaut, Plünderungen vorgenommen und Polizeifahrzeuge mit Steinen beworfen. Am schwerwiegensten waren 'Hungerkrawalle' in Heckinghausen, die sich an der Kürzung der Wohlfahrtsunterstützung entzündetenAm 26. Mai 1932 explodierte Wuppertal. Das Landgericht war von Tausenden von Menschen umlagert. Als draußen der Urteilsspruch bekannt wurde, daß das Gericht 'nur' 5 Jahre wegen Totschlages verhängt hat, hatte die Wut des radikalen Teils der Wuppertaler Bevölkerung keine Grenzen mehr. Die ersten Demonstrationen auf dem Rommelspütt in Elberfeld endeten mit einer Vielzahl von ein­geschlagenen Fensterscheiben und einer anschließenden Massenfestnahme von 200 Personen. In allen Arbeitervierteln begannen die 'Militanten' aus den verschiedenen Organisationen gemeinsam mit Teilen der Bevölkerung Barrikaden zu bauen. "Hindernisbarrikaden aus Kanaldeckeln und schweren Pflastersteinen" wurden vom Rott gemeldet. In Ronsdorf schlugen sich proletarischen Frauen mit den Besatzungen der Überfallkommandos. In Wupperfeld auf der hohen Eisenbahnbrücke an der Bartholomäusstraße war­teten die Militanten vom Kampfbund und vom Jugendverband mit schweren Wurfgeschossen auf die "verhaßte Severing-Polizei."
Am eskaliertesten war die Situation in der kommu­nistischen Hochburg Heckinghausen. Die dortigen Kommunisten hatten schon mit dem Sturm auf das Wohlfahrtsamt Tage vorher den 'Startschuß' gesetzt.
Dort 'entbrannten' in den Straßen um die Ziegelstraße regelrechte Feuergefechte mit den, mit Panzern, Karabinern und Stahlhelmen ausgerüsteten, Polizisten. Von kommunistischer Seite wurde sogar ein selbst gebauter Mörser als Kanone gegen die Polizeitruppen eingesetzt.
Die Polizei schlug mit Hilfe von auswär­tigen Polizeieinheiten zurück. Das "Straße frei, Fenster zu, es wird geschossen", diese Aufforderung war sehr real. Feuersalven gegen ärmliche Arbeiterwohnungen ge­hörten zur Aufruhr-Bekämpfung im noch sozialdemo­kratisch regierten Preußen. Das 'rote Heckinghausen' wurde Straße für Straße mili­tärisch wieder zurück­erobert. Dabei war auch ein Todesopfer in der Bevölkerung zu beklagen. Ein parteiloser, christlicher Dachdecker, wie die kommunistische Presse betonte, wurde durch ein Fenster erschossen.


Die Nazis an der Macht

Die Wuppertaler NSDAP mobilisierte erst am 31. Januar zu einer großen Siegesdemonstration in ihrer Hochburg Wuppertal. Phantasievoll agier­ten Mitglieder der anarchistischen 'Schwarzen Schar' und Jungkommunisten gegen den Fackelzug der Nationalsozialisten, der durch die ganze Talachse ging. Zahlenmäßig zu schwach für eine direkte Auseinandersetzung mit den bewaffneten SA-Leuten, bedien­ten sie sich einer originellen und wirksamen Taktik: Sie drückten mit vereinten Kräften jubelnde, 'Heil Hitler' grüßende "Nazi"anhänger in den marschierenden Zug der SA. Die "Nazi"anhänger selbst wurden verprügelt und wurden zu den ersten Opfern, der an die Regierung gekommenen Nationalsozialisten in Wuppertal

Auch in den anderen Hochburgen der KPD ereigneten sich 'Naziprovokationen', de­nen in 'alter Stärke' von Seiten der Kommunisten geantwortet wurde: Am 19. Februar 1933 kam es unter Beteiligung von Jungkommunisten vom Rott zu einem be­waffneten Konflikt in der Nähe des Kampfbundheimes in der Bogenstraße. Als sich SA-Leute dem 'roten' Viertel näherten, wurde auf ein Trompeten-Signal hin, eine Alarmkette des 'Massenselbstschutzes' aktiviert und eine ganze Reihe von Militanten griffen mit Pistolen die SA-Leute an und vertrieben sie aus dem Viertel. Eine regelrechte Schießerei quer durch die Kleingartenanlagen bewies, daß die Anhänger der Kommunisten zu diesem Zeitpunkt noch nicht ohnmächtig zuschauten, sondern wie in Berlin, Düsseldorf und in Hamburg teilweise für offensives Vorgehen plädierten. Diese Tendenz zur bewaffneten Selbstverteidigung ist auch noch aus den Flugblättern, Plakaten und Klebezetteln nach dem Reichstagsbrand herauszulesen. Immer wieder wird zur bewaffneten Gegenwehr aufgerufen, Rache geschworen, ein Zeichen, daß in der Wuppertaler KPD auch eine ge­wisse Bereitschaft zum Bürgerkrieg gab. Bis zum Reichstagsbrand muß in der KPD-Hochburg Wuppertal davon ausgegangen werden, daß die 'Militanten' des Kampfbundes, des illegalen RFBder Roten Jungfront und Teile des KJVD bewaffnet waren und daß Waffenlager existierten, auf die es die SA und die politi­sche Polizei in den ersten Festnahmewellen be­sonders abgesehen hatte.